Liebe Mitglieder und Freunde,

der Vorstand der Indienpartnerschaft des Auguste-Viktoria-Gymnasiums Trier wünscht Ihnen allen ein gesundes und glückliches Jahr 2024. Wir möchten uns bei Ihnen in diesem Brief aber auch für Ihre Unterstützung im Jahre 2023 bedanken.

Im Sommer 2020 hatten wir das mittlerweile fünfte Dreijahresprojekt der PMD in Zusammenarbeit mit dem ILD (Internationaler Ländlicher Entwicklungsdienst e.V.) und unter Förderung durch das BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) in Angriff genommen. Dieses Projekt wurde jetzt mit dem Ende des Jahres 2023 erfolgreich abgeschlossen. Unter dem Titel „Förderung eines eigenorganisierten Managements ländlicher natürlicher Ressourcen zur Armutsbekämpfung und Linderung der Folgen des Klimawandels“  wurden über 30 000 arme Kleinbauern und ihre Familien in 18 Dörfern im Distrikt Villupuram, Tamil Nadu,  erreicht. Die Gesamtsumme der Kosten belief sich auf 565.630.00 Euro, wovon wir als AVG 84,173,00 Euro getragen haben. Damit ermöglichten wir einen Zuschuss des BMZ von etwas über 400 000 Euro, weitere 73,907,00 Euro steuerte die PMD als Eigenbeteiligung bei.

Seit fast 50 Jahren kämpft die PMD gegen die Benachteiligung der Dalits wie auch der unteren Kasten, indem sie einen höheren Grad an Selbstwirksamkeit auf individueller Ebene sowie auf lokaler Ebene in den Dörfern ermöglicht und durch Schulungen begleitet. Da der Klimawandel diesen kleinbäuerlichen Gruppen besonders zusetzt, wurde der Schwerpunkt neben der Förderung der Bildung durch Summercamps für Schülerinnen und Schüler vor allem auf eine nachhaltige und ökologische Nahrungsmittelerzeugung und eine Begrünung des dörflichen Umfelds gelegt. Familien wurden ermutigt, neben ihren Hütten Gärten zur Selbstversorgung anzulegen sowie auch Bäume zu pflanzen, um durch Beschattung das Austrocknen der Erde und die auch in diesem Jahr besonders starke Hitzebelastung abzumildern. Daneben wurden Anbaualternativen vorgestellt, die mittels eines organischen Landbaus für ein Einkommen der Familien sorgen können. Die Verbesserung der Bodenqualität ohne den Einsatz teurer chemischer Pflanzenschutzmittel oder kostspieligem Mineraldünger wurde dabei in Schulungen vermittelt ebenso wie an die jetzigen Bedingungen angepasste Bewässerungsmethoden.

Die halbjährlichen Projektberichte der PMD dokumentieren, dass erfolgreich wiederaufgeforstet wurde sowie Obstbaumkulturen, Gemüsefelder und Hausgärten angelegt wurden. Durch die Gewinnung und Verwendung von eigenem Saatgut und durch die Aufzucht von Setzlingen in Gewächshäusern und Baumschulen werden die Bauern unabhängiger von den großen multinationalen Konzernen. Die Berichte und Bilder der PMD dazu können Sie auf unserer Homepage nachlesen:      
http://avg-indienpartnerschaft.de/index.php/pmd/laendliche-entwicklung/42-fuenftes-3-jahresprojekt-zur-laendlichen-entwicklung-erfolgreich-abgeschlossen

Weitere Informationen zum Summercamp 2023 finden Sie unter:      
http://avg-indienpartnerschaft.de/index.php/pmd/bildung

Auch die Indienreisegruppe hat sich auf ihrer letzten Reise im Frühjahr 2023 von dem Fortschritt und den positiven Ergebnissen dieses Projekts überzeugen können. Der Erfolg des Projekts hat auch in anderen Dörfern im Umkreis der PMD den Wunsch geweckt,  auf nachhaltigen und an den Klimawandel angepassten Landbau umzustellen. Daher ist geplant, nach der üblichen Karenzzeit nach Beendigung eines Projekts einen Fortführungsantrag an das BMZ zu stellen. Auch hierbei werden wir ganz maßgeblich beteiligt sein, denn die Fördermittel des BMZ richten sich danach, wie hoch unser Spendenbeitrag ist.

Da wir im Jahr 2023 die letzte Rate von 13.735,00 Euro für das noch laufende Projekt überwiesen hatten, blieben uns noch genug Spendengelder, um die PMD auch in einzelnen Bereichen direkt unterstützen zu können. Wie in jedem Jahr förderten wir Studenten und Studentinnen mit insgesamt 5000 Euro in unserem Stipendiatenprogramm.   
Nachdem 82 Familien von Wanderarbeitern bei einem der heftigsten Wirbelstürme mit großen Überschwemmungen in der Gegend von Chennai ihre bescheidenen Unterkünfte in der Großstadt verloren hatten und zurück aufs Land fliehen mussten, überwiesen wir 3700 Euro als Soforthilfe für die Bereitstellung von dringend notwendigen Nahrungsmittelhilfen. Für 7000 Euro werden jetzt zwei Trinkwasserbrunnen an ländlichen Schulen gebaut, 1300 Euro stellten wir für die Computerausstattung für zwei Dorfschulen bereit.

Auch mit dieser gezielten Hilfe möchten wir einen Beitrag leisten für globale Gerechtigkeit. Das ist ein großes Wort für eine Schule, das uns aber in unserer gesamten Bildungstätigkeit durch jedes Jahr motiviert, interkulturelle Fragestellungen in den Blick zu nehmen. Dass die Schülerinnen und Schüler des AVG sowie ihre Familien diesen Gedanken bewusst leben, zeigt das Ergebnis des diesjährigen Projektschultages, der die Rekordsumme von 43.000 Euro erbrachte. Herzlichen Dank an alle Beteiligten. Den Bericht zum Projektschultag können Sie auf der Homepage des AVG hier nachlesen: https://avg-trier.de/2023/07/04/unesco-projektschultag-2023-sponsorenlauf-mit-rekordergebnis/

Im letztjährigen Mitgliederrundbrief berichteten wir bereits von unserem Besuch Anfang 2023 in Cowdalli und dem gemeinsam gefeierten Jubiläum unserer 25-jährigen Partnerschaft mit der St. Anthony‘s School.

Im 26. Jahr besuchten im vergangenen Schuljahr 566 Jungen und Mädchen den Unterricht von der ersten zur zwölften Klasse. Daneben gibt es noch zwei Kindergartenklassen sowie den finanziell selbstständigen Zweig English Medium. Da der Unterricht dort weitgehend auf Englisch abgehalten wird, hoffen die Eltern, dass ihre Kinder größere Chancen im Berufsleben haben werden. Zwar werden in Karnataka noch etwa die Hälfte der Schüler in ihrer Muttersprache Kannada bzw. Tamil unterrichtet, aber in den Nachbarstaaten Andhra Pradesh, Tamil Nadu und Kerala wird diese Grenze bereits unterschritten, so dass dort zum Teil nur ein Drittel der Schülerinnen und Schüler den Unterricht in ihrer Landessprache bewältigen. In Indien existieren mehr als 700 Sprachen und es gibt keine eigentliche staatliche Einheitssprache. Neben Hindi und Englisch als offiziellen Sprachen werden auch 22 weitere regionale Sprachen als Verwaltungssprachen anerkannt. Der Aufstieg der englischen Schulen wird im Grunde durch die prosperierende Mittelklasse betrieben, in Folge dessen wird Englisch auch für die niedrigeren Klassen das Zugangstor zum gesellschaftlichen Aufstieg, mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt. Mit der Befürchtung, dass durch den englischsprachigen Unterricht die Fertigkeiten in der Muttersprache abnehmen, sieht man auch die kulturelle Diversität in Gefahr.  Aus soziologischer Sicht wird auch die Spaltung der Gesellschaft verstärkt, wenn sich nur die Wohlhabenderen die English Medium Schulen leisten können. Denn die Schulgebühren sind in diesem Zweig deutlich höher angesetzt, auch in Cowdalli.

Aber für viele Familien bleibt die St Anthony’s School ein wichtiger Garant für Bildung. Allerdings sind immer noch die Nachwirkungen der Corona-Maßnahmen zu spüren, so dass große Nachlässe auf die Schulgebühren gegeben werden. Die Primarstufe von der 1. bis zur 7. Klasse verlangt nur 30 % der sonst üblichen Gebühren, dieser Satz steigt bis auf 70 % für die beiden Vor-Collegeklassen 11 und 12. Ohne unsere finanzielle Unterstützung könnte die Schule sich nicht tragen. Immerhin sind 21 Lehrerinnen und Lehrer in der St Anthony’s School beschäftigt mit einem Gehalt, das in etwas auf einem Niveau liegt wie vor Corona. Dass sich die Lehrer mit der Schule verbunden fühlen, zeigt auch der Erfolg der Schüler in den Prüfungen im Jahr 2023, denn von 54 Prüflingen für den Highschool-Abschluss bestehen 52 diesen erfolgreich. Auch wenn im College von 71 Teilnehmern an der Abschlussprüfung nur 61 bestehen, so ist auch das als Erfolg zu werten.

Für das Schuljahr 2023/24 haben wir die St Anthony’s School mit 20.000 Euro unterstützt. Für das folgende Schuljahr haben wir bereits zugesagt, diese finanzielle Unterstützung weiterzuführen. Wir danken allen Mitgliedern des Indienvereins für ihre Mitgliedsbeiträge, die uns seit 25 Jahren ermöglichen, die Kinder in Cowdalli und diese Schule zu fördern.

Mit dem Jahr 2023 konnten wir unsere Indienreisetradition wieder aufnehmen. Im Februar reisten 13 Schülerinnen und Schüler des AVG mit ihren Lehrern Hermann Anton, Doris Reuter und Frank Wintersinger nach Südindien, um die Projekte zu besuchen sowie das Land und die Kultur kennenzulernen. Ihre Erlebnisse haben sie bei den Indienabenden am 15. und 16. Juli der Schulgemeinschaft und allen Interessierten vorgestellt. Auf der Homepage der Indienpartnerschaft finden Sie den umfangreichen Blog der Reisegruppe, wenn Sie die Erlebnisse noch einmal nachvollziehen möchten: http://avg-indienpartnerschaft.de/index.php/46-indienreise-2023

Mitten im Jahr erreichte uns die Nachricht, dass ein Lehrer der St Anthony’s School in Cowdalli infolge eines Unfalls ums Leben kam und seine junge Familie in einer ausgesprochen prekären Situation zurückließ. Die alten und starren familiären Strukturen wollten die Witwe in eine absolute Abhängigkeit von der Familie ihres verstorbenen Mannes zwingen. Die 23-Jährige besteht jedoch darauf, dass sie eigene Entscheidungen über ihre Zukunft und ihr Leben treffen möchte. Da ihre eigene Familie sie zwar moralisch unterstützen kann, aber selbst an der Armutsgrenze lebt, haben wir im Kollegium gesammelt, um den Kauf einer Milchkuh zu ermöglichen, die das Familieneinkommen sichern helfen soll. Wir verstehen das als eine Geste der Solidarität.

Durch die weitere Arbeit in und für die Indienpartnerschaft werden wir uns auch in Zukunft für Solidarität, Toleranz und Verständigung über kulturelle Unterschiede hinweg einsetzen und vielleicht auch etwas verändern.